Victoriagarten

Der Victoriagarten stellte insbesondere zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugziel auf dem Asterstein dar. Dabei handelte es sich um ein Café-Restaurant mit angeschlossener Gartenwirtschaft und gutem Ausblick auf die Stadt.

„Auf des Astersteines Höh’n
Liegt ein Garten still und schön.
Wie in einem Reich der Feen
Ist hier alles anzusehen.

Ja fürwahr, ein Paradies,
Vöglein zwitschern hold und süß,
Unter schattig grünen Bäumen
Möchte man die Zeit verträumen.

Seht der Rosen herrlich Blüh’n,
Rebenblut im Glase glüh’n –
Drunten auf dem Vater Rhein
Eilen Gondeln, groß und klein.

Ach, wie köstlich sind die Stunden,
Die ich hier schon hab‘ gefunden!
Lebe wohl, mein Asterstein,
Immer wieder denk‘ ich dein!“

Ansichtskarte Victoriagarten Asterstein, 1920er

„Du lieblicher Fleck am deutschen Rhein,
Hoch auf des Astersteiner Rücken,
Aus weiter Ferne kehrt ich hier ein,
Ich grüße Dich voll Entzücken.“

Ansichtskarte Victoriagarten Asterstein, 1920er

Wo befand sich der Victoriagarten?

Der Victorigarten befand sich im Bereich der heutigen Mauer oberhalb der evangelischen Kirche in Pfaffendorf gegenüber des Koblenzer Schlosses.

Der Victoriagarten auf einem Kartenausschnitt, 1905
Der Victoriagarten auf einem Kartenausschnitt, 1920er

Der genaue Standort ist daher mittig des südlichen Mauerabschnittes zwischen Ende der Rudolf-Breitscheid-Straße und dem Eingang des Bezirksfriedhofs einzuordnen.

Victorigarten vom Hafen Ehrenbreitstein aus gesehen, 1927

Die Geschichte des Victoriagartens

Der Verschönerungsverein Pfaffendorf hat die Geschichte der Ausflugsstätte in der VVV-Info Nr. 14 aus dem Jahr 2015 dankenswerterweise dokumentiert.

Ansichtskarte Victorigarten 1920er

Diese stammt von der Urenkelin des früheren Eigentümers Christian Teuschert, Frau Edith Tilsner.

Ansichtskarte Victoriagarten mit Blick auf die Schiffbrücke 1920er

1880 kaufte die Familie Christian Teuschert von einem Ehrenbreitsteiner Eigentümer das Grundstück auf dem Asterstein, um dort Garten- und Ackerland zu schaffen. In den folgenden Jahren wurde ein kleines Fachwerkhaus genehmigt und errichtet, dies allerdings aufgrund der Festungsbaubeschränkungen unter größeren Schwierigkeiten.

Ansichtskarte Victoriagarten 1920er

Frau Teuschert begann dort schließlich mit dem Betrieb einer kleinen Gastwirtschaft, die sich schnell erfolgreich entwickelte. Das Grundstück wurde um Nachbarflächen erweitert und Obst- sowie Zierbäume angepflanzt.

Ansichtskarte Victorigarten 1920er

1894 wurden die Bauvorschriften gelockert, so das das Fachwerkhaus in Stein ausgebaut werden konnte. Neben einer Wasserzisterne und Toilettenanlagen wurden auch Stallungen mit einem Hühnerauslauf errichtet.

Der Innenraum des Viktoriagartens 1920er

Ein Springbrunnen im Eingangsbereich rundete die Gesamtanlage ab. Auch Gästezimmer wurden vermietet.

Der Innenraum des Victoriagartens mit Ausblick auf Koblenz 1920er

Die Eigentümer wurden mit der Zeit älter. Als dann 1914 der Erste Weltkrieg begann und im Bereich des Victoriagartens Schützengraben ausgehoben und Drahtverhaue errichtet wurden, wurde auch ein großer Teil des Baumbestands beseitigt.


Der Innenraum des Victoriagartens mit Ausblick auf die alte Pfaffendorfer Brücke 1920er

Familie Teuschert veräußerte daher den Victoriagarten im Jahr 1919 an Familie Krämer, die diesen bis 1939 weiter bewirtschaftete.

Ansichtskarte Victoriagarten mit Blick auf die Schiffbrücke 1920er

In diesem Jahr wurde das Grundstück für den Bau der geplanten Adolf-Hitler-Schule und die zugehörige Mauer enteignet und das gesamte Gelände eingeebnet.

1 Kommentar

  1. Ein weiterer toller Bericht über eine Koblenzer Historie, die es leider nicht mehr gibt! Die Ansichten der Ansichtskarten sind richtig klasse. Wie im Bericht erklärt, war der Baum- und Buschbestand damals neu und gering, kriegsbedingt sogar abgeholzt. Heute gibt es nur noch wenige Ecken, wo man diesen freien Blick auf unsere Stadt hat. Auf der anderen Seite sind wir froh, dass Koblenz eine so grüne Stadt geworden ist.
    Auch ein genauer Blick auf die alten Stadtpläne lohnt sich. Strassen, Häuser, Stadtteile haben sich in den letzten 120 Jahren fast komplett verändert.
    Vielen Dank Christopher für Dein Engagement!

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